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geobotanische Untersuchungen

Geobotanische Untersuchungen Jungsteinzeit Römische Siedlungsspuren Olsberg aktuell: www.olsberg.ch
Pollenanalytische Untersuchungen im Gebiet des jüngeren Deckenschotters und Lösses im Frauenwald zwischen Rheinfelden und Olsberg

Paul Müller, Verlag Huber, Bern 1958

Weitere Quellen:

H. Härri, Löss- und pollenanalytische Untersuchungen am Breitsee (Möhlin), 1932

W. Lüdi, Die Pflanzenwelt des Eiszeitalters im nördlichen Vorland der Schweizer Alpen, 1953

J. Echle kürzte die Arbeit von Paul Müller auf das Wesentliche und überarbeitete die Grafiken zur besseren Lesbarkeit.

Horizonte in Giebenach, PZ = Pollenzahl
Diagramm Olsberg A I, PZ = Pollenzahl
Diagramm Olsberg A II, PZ = Pollenzahl
Diagramm Olsberg A III, PZ = Pollenzahl
Diagramm Olsberg A IV, PZ = Pollenzahl
Diagramm Olsberg A V, PZ = Pollenzahl

Ausser in der Umgebung von Aarau finden sich Lössablagerungen im Kanton Aargau hauptsächlich in den Gebieten des unteren Rheintals, die von den Gletschern der grössten Eiszeit nicht mehr erreicht wurden, so bei Möhlin und dann im Wald zwischen Rheinfelden und Olsberg. Dieser kommt im Gebiet entweder stark verkitteten Nagelfluhen vor, so zum Beispiel über den Steinbrüchen bei Giebenach am Violenbach bei S oder als lockerer, mehr oder weniger grobe Gerölle enthaltender, lehmiger Kies, wie in den Aufschlüssen A I und A II im Frauenwald.

Wahrscheinlich besass der Deckenschotter im Untersuchungsgebiet ursprünglich eine zusammenhängende mit ungefähren 4 % gegen Nord-Nordwesten abfallende Oberfläche, welche später von erodierenden Wassern durchfurcht und teilweise tief ausgemuldet wurde. Die Erosion muss zu einer Zeit stattgefunden haben, da die Nie-derschläge häufiger und vor allem viel reichlicher fielen, als sie heute fallen. Aus dem Umstand, dass der Löss nicht nur auf den stehen gebliebenen Kuppen, sondern auch in den Mulden liegt, muss geschlossen werden, dass er sich erst nach der Erosion des Deckenschotters abgesetzt habe.

Der Löss enthält weder Gehäuse von Schnecken noch Bruchstücke von solchen, und Salzsäure bringt ihn nicht zum Aufbrausen. Er ist demnach verlehmt und zwar vermutlich bis tief hinunter. Seine Mächtigkeit ist verschieden, doch dürfte sie nirgends mehr als 4 m betragen, wie Messungen in einer Grube, wo er früher für eine Ziegelei in Gie-benach ausgebeutet wurde, ergeben haben. Die grösste Grube beim Aufschluss A V ist 4 m tief.

Eine vorgängige pollenanalytische Untersuchung von Deckenschotter- und Lössproben ergab, dass sie Blütenstaub enthielten. Eine günstige Gelegenheit zu weiteren Forschungen bot die frische Böschung einer das Gelände auf der rechten Seite anschneidenden neuen Strasse im Frauenwald, wo im unteren Abschnitt Deckenschotter und im obern auf diesem, mit gut feststellbarem Kontakt, Löss ansteht. Die Höhe der Strassenböschung ist unterschiedlich; sie schwankt zwischen 1 m und 2,4 m.

Vor jeder Probeentnahme wurde in der Böschung eine handbreite, genügend tiefe, d.h. eine den festen Boden blosslegende Rinne ausgekännelt. Die oberste Probe der Deckenschotteraufschlüsse bei A I und A II entnahmen wir 40 cm, die der Lössaufschlüsse bei A III, A IV und A V 20 cm unter der Oberfläche und die unterste Probe aller Auf-schlüsse jedes Mal auf der Stufe der Strasse. Die Proben des Aufschlusses A V konnten aus der Wand eines metertiefen neuen Wasserabzug-grabens heraus gestochen werden. Endlich war es uns auch noch möglich, im Steinbruch von Giebenach bei S aus der Kontaktzone zwischen dem anstehenden Oberen Muschelkalk und dem aufliegenden Deckenschotter Proben von kiesigem Lehm zu entnehmen.

Für die Aufbereitung der Pollenpräparate wurden vom kiesigen Lehm des Deckenschotters jeweilen ungefähr 15 cm3 und vom Löss 10 cm3 Material verwendet. Viele Präparate enthielten bis 50% beschädigte Pollen einschliesslich Pollenbruchstücke, doch gab es sowohl Schotter- als auch Lösspräparate, deren unversehrte Körner über 70% der ganzen Pollenmenge ausmachten. Bei der Auszählung wurden die Bruchstücke jeweilen mitgezählt. Bestanden über die Zugehörigkeit eines Tannen- oder Fichtenpollenbruchstückes Zweifel, so teilten wir es den Fichtenpollen zu.

Am untersuchten Blütenstaubniederschlag sind folgende Baumarten beteiligt: Föhre, Fichte, Tanne, Erle, Birke, Linde, Eiche, Hainbuche und Hasel. Der grösste Teil des Föhrenpollens weist einen Durchmesser von 60 – 74 Mikron auf und dürfte wohl von der Waldföhre herrühren. Den Rest mit einem Durchmesser von 75 – 90 Mikron hat viel-leicht die Bergföhre geliefert. Beim Blütenstaub der Erle und Birke mit 21 – 27 Mikron Durchmesser handelt es sich wahrscheinlich um solchen von baumförmigen Arten. Der Eichenpollen stammt vermutlich zur Hauptsache von der Steineiche. Linden-Blütenstaub war selten, und nur ganz vereinzelt kamen uns Pollen der Hasel und einer Weidenart zu Gesicht. Die Gräserpollen wurde nicht ausgezählt. Wir stellten aber in einigen Präparaten sowohl des Deckenschotters als auch des Lösses Gramineen- und Cypraceen-Blütenstaub fest. Von Sporen fanden wir vereinzelt solche des Moosfarns, des Wurmfarns und des österreichischen Schildfarns. Häufiger, in ungefähr der Hälfte aller Präparate, kam der Tüpfelfarn vor. Einige Male stellten wir Blattreste von Bleichmoosen fest und zweimal solche einer Mnium-Art.

Es könnte mit einigem Grund vermutet werden, dass der Anteil von beschädigten und zerstückten Pollenkörnern in alten, besonders aber in umgelagerten Blütenstaubniederschlägen grösser wäre als in rezenten. Um uns darüber Klarheit zu verschaffen, führten wir eine Untersuchung durch. Das Ergebnis zeigt, dass aus dem Versehrungszustand eines Blütenstaubniederschlages, kaum etwas darüber ausgesagt werden kann, ob er umgelagert worden sei oder nicht. Im weitern darf aus dem dunklen Farbton eines Pollens, zum Beispiel eines Fichtenpollens, nicht auf ein besonders hohes Alter desselben geschlossen werden. Unsere tertiären Fichtenpollen z.B. waren alle schön hell-rötlichbraun.

Da mit der Möglichkeit gerechnet werden musste, dass dem Deckenschotter- und Lössblütenstaub tertiärer Pollen beigemischt sein könnte, untersuchten wir in der Folge verschiedene Ablagerungen verschiedener Regionen. Die Präparate der kiesigen Sande und der sandigen Mergel enthielten eine grössere Zahl von unversehrten Pollen. Merkwürdigerweise stimmten diese aber in Gestalt und Farbe mit solchen des gegenwärtigen Waldes völlig überein. Einzig der Pollen der Fichte aus dem Sand unterschied sich durch die auffallende Kleinheit der meisten seiner Körner von solchem der gegenwärtigen Fichte. Festgestellt wurden die gleichen Pollenarten, die im Deckenschotter und Löss von Olsberg eingebettet liegen. Gab es zur Zeit der Ablagerung der obern Süsswassermolasse in bestimmten Gebieten unseres Landes bereits ähnliche Wälder wie später in den Deckenschotterzeiten? Oder stammt der Pollen im Deckenschotter und Löss von Olsberg vielleicht aus Sanden und Mergeln der Obern Süsswassermolasse? Die Möglichkeit bestände.

Wir haben vor einem Jahr die Schotter und Lehme im Birrfeld an drei Stellen pollenanalytisch untersucht. Von den drei Probenreihen enthielten zwei ausschliesslich Nadelholzpollen, einzig die dritte mit fast durchgehend vorherrschender Föhre wies vereinzelten Blütenstaub von Laubhölzern auf, so solchen der Erle, Birke, Buche, Linde und Eiche; auffallenderweise aber war die Hainbuche nicht vertreten.

In nächster Nähe unseres Untersuchungsgebietes liegt das Möhliner-Feld. HANS HÄRRI hat daselbst ein im Löss eingebettetes Torfmoor und den darunter anstehenden Löss pollenanalytisch untersucht. Aus 5 Proben erhielt er zusammen 76 Pollen, und zwar 4% Föhren-, l2% Tannen-, 7% Hasel-, 17% Eichen- und 60% Lindenpollen. Die Hainbuche fehlte. Da der ältere Torf des Moores während der nacheiszeitlichen Eichenmischwald-Zeit gebildet wurde, nimmt HÄRRI an, auch der unterliegende Löss sei in dieser Zeit abgesetzt worden. Gewiss ist nur, dass er mit dem Löss im Olsberger-Wald nicht altersgleich sein kann, weil dieser bis zu 20% Pollen der Hainbuche enthält, aber sozusagen keinen Lindenblütenstaub.

Wir glauben nicht, dass es sich beim Blütenstaub im Deckenschotter und Löss von Olsberg um umgelagerten tertiären Pollen handelt. Von Anfang an scheinen im Gebiet zwei Waldtypen nebeneinander bestanden zu haben, nämlich ein Tannen-Fichtenwald mit etwas Föhren darin und ein Hainbuchen-Eichen-Föhrenwald mit eingestreuten Birken und Linden. Jener hatte vermutlich die benachbarten Höhen des Schwarzwaldes, jenseits des Rheines besie-delt, während sich dieser mehr im Süden an die Kalkberge des Jura hielt. An den Bachläufen und in den feuchten Niederungen wuchs die Erle. Daneben gab es mehr oder weniger ausgedehnte Seggen- und Grasfluren. Im Tannen-Fichtenwald herrschte während der ganzen Waldzeit die Fichte vor und im Eichen-Hainbuchen-Föhrenwald die Föhre. Wahrscheinlich kamen die Erle und Birke damals etwas häufiger vor als sonst. Die Horizonte von Giebenach endlich deuten möglicherweise an, dass schon vor der Ablagerung des Deckenschotters im Gebiet ein Tannen-Fichten- und ein Eichen-Hainbuchen-Föhrenwald vorhanden war. Das damalige Klima war dem gegenwärtigen vermutlich ziemlich ähnlich, am Anfang und gegen das Ende der Waldzeit vielleicht etwas trockener als heute.

M. WELTEN, dem unsere Studie zur Einsichtnahme vorgelegen hat, glaubt, die Profile entstammen jüngstgeschichtlichen Umlagerungs- und Auflagerungsböden, weil der darin enthaltene Blütenstaubniederschlag mit dem Pollenstreubild des gegenwärtigen Waldes übereinstimme. Die Übereinstimmung ist tatsächlich recht gross.

Angenommen nun, die untersuchten Böden seien umgelagert worden, dann müssten in der weiteren Umgebung des Frauenwaldes ähnlich gelagerte Böden wohl auch umgeschichtet worden sein und entsprechende Pollenniederschläge enthalten. Ungefähr 1,5 km östlich vom Frauenwald findet sich im Niederwald ein gelblicher Lehm mit eingeschlossenen kleineren und grösseren Geröllen wie beim Aufschluss A III im Frauenwald vor dem Kontakt mit dem Löss. An der Böschung einer in diesem Wald ebenfalls neu angelegten, über einen stark ge-neigten Hang hinaufführenden Waldstrasse entnahmen wir in Abständen von 30, 40, 60 und 70 cm unter der Oberfläche je eine Bodenprobe. Die Auszählung der Pollenpräparate ergab gesamthaft 23 Blütenstaubkörner, 24% unversehrte und 76% beschädigte und Bruch-stücke. Die Fichte herrschte in den Horizonten von 30 cm, 40 cm und 70 cm, die Föhre in demjenigen von 60 cm vor. Die Tanne war durch ein Pollenkorn, die Birke durch zwei Körner vertreten. Ausserdem fanden sich noch zwei sehr gut erhaltene Sporen des Tüpfelfarns. Dagegen stellten wir weder Eichen- noch Hainbuchenblütenstaub fest, obschon die betreffenden Baumarten örtlich gut vertreten sind.

Ebenfalls im Niederwald, südöstlich an die gelben steinigen Lehme anschliessend, findet sich unmittelbar auf dem Grundfels liegend ein schwarzer entkalkter Boden von durchschnittlich 0,5 m Mächtigkeit mit vereinzelten Geröllen, der getrocknet eine graubraune Farbe annimmt, hart wie Stein ist und sich polieren lässt. Mit einem Spaten schlossen wir an einer geeigneten Stelle diesen Boden auf und entnahmen der Stichwand in Abständen von je 5 cm 9 Proben, die wir pollenanalytisch untersuchten. Sie enthielten pro cm3 durchschnittlich 50 – 100 Blüten-staubkörner. Es fanden sich Pollen der Föhre, Fichte und Tanne. Lindenblütenstaub trat nur vereinzelt auf. In der obersten Probe aus 5 cm Tiefe herrschte die Fichte mit 64 Anteilprozenten sehr stark vor; in den übrigen Proben nahm die Föhre die erste, die Fichte die zweite und die Tanne die dritte Stelle ein. Der Niederschlag scheint demnach von einem reinen Nadelholzwald herzurühren.