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«Hortus Dei» - Gottesgarten
Klostergeschichte
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Das Kloster «Hortus Dei»

Gründung und Verlegung des Klosters

Das Zisterzienserinnenkloster Olsberg tritt unter dem Namen «Hortus Dei» in die Geschichte ein. Der Name (Gottesgarten) ist für ein Zisterzienserkloster typisch. Der Orden wählte oft symbolhafte Namen, die von einer heilen, von der Gnade Gottes erfüllten Welt künden, Zeugnis einer tiefen Marienverehrung ablegen oder auf das Ewige Reich hinweisen.

Die Frage nach dem ersten Standort des Klosters wird sich nur schwer mit Sicherheit beantworten lassen. Um 1195 befand sich in Kleinroth, das heute zur bernischen Gemeinde Untersteckholz gehört, die Zisterzienserabtei St. Urban. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurde diese an ihren heutigen Standort verlegt. Nach dem Wegzug der Mönche entstand in Kleinroth ein kleiner Konvent von Zisterzienserinnen, die um 1235 wegzogen, um sich an einem anderen Ort niederzulassen. Es gilt als ziemlich sicher, dass die Verlegung des Konvents von Kleinroth nach Olsberg erfolgte. In Kleinroth verfügte der Konvent bereits über Grundbesitz. Bei Fehlen der wirtschaftlichen Grundlage wäre im Februar 1234 das Zisterzienserprivileg gar nicht ausgestellt worden. Der Erlös aus dem Verkauf dieses Besitzes mochte den Ausbau der Klosteranlagen am neuen Ort wesentlich erleichtert haben.

In den beiden ältesten Urkunden (1. und 28. Februar 1234) fehlt eine genaue Ortsangabe. Das Kloster wird als im Bistum Konstanz gelegen bezeichnet. Erst nach der Verlegung wird der Adressat genauer umschrieben. Die erste Urkunde, die den Namen Olsberg erwähnt, stammt aus dem Jahre 1236. Dieses Originalpergament beinhaltet den Verkauf des Hofes Olsberg an die Schwestern vom Gottesgarten durch die Herren von Auggen.

Die wirtschaftliche Entwicklung im 13. und 14. Jahrhundert

Wir können in Olsberg seit dem Kauf der (Villa Olsperc den zielbewussten Auf- und Ausbau des Klosterbesitzes fast auf Schritt und Tritt verfolgen. Durch Kauf, Tausch und Schenkungen kamen in der näheren und weiteren Umgebung Acker, Wiesen, Wasserläufe, Wälder und Häuser an das Kloster.

Zur Nachbarstadt Rheinfelden stand Olsberg in allen Jahrhunderten in enger Beziehung. In Basel gelangte das Kloster früh in den Besitz zahlreicher Liegenschaften. Der Konvent behielt aber nicht alle Häuser. Aus Verkäufen beschaffte er sich wieder Eigenmittel zu neuen Kaufgeschäften. Die Absicht, die Versorgung des Klosters mit Wein sicherzustellen, war mitbestimmend beim Erwerb von Grundbesitz im Oberelsass. Das Kloster war bereit und in der Lage, dafür beträchtliche Geldmittel aufzuwenden. In den von Süden her ins Ergolztal einmündenden Seitentälern hat Olsberg erst im 14. Jahrhundert Ländereien und Hofe erworben. Im heute aargauischen Gebiet, östlich von Magden und Rheinfelden, kam es erst spät zu nennenswertem Besitz. 1351 verkaufte das Stift Beromünster dem Konvent seine sämtlichen Güter in Magden. Das Kloster Olsberg wurde dadurch in der Region zu einem der grössten Grundherrn.

Am Ende des Mittelalters verfügte es über einen vielfältigen Besitz, der weite Gebiete des Fricktals, des Baselbietes, im Badischen und im Elsass umfasste. Manche Besitzungen wurden schon vor Ende des Mittelalters wieder abgestossen.

Ende der Blütezeit

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts scheint die mittelalterliche Blütezeit Olsbergs bereits abgeschlossen. Tiefgreifend und lange wirkte eine Brandkatastrophe 1427 nach, die innert weniger Stunden das Kloster in Schutt und Asche gelegt hatte. Der Wiederaufbau wurde zwar sofort begonnen, zog sich aber schleppend in die Länge, da die Mittel nicht ausreichten. Das Geld war in Liegenschaften und Ländereien investiert. Zum einen wollte man nichts veräussern, zum andern fehlten die potentiellen Käufer. Die adeligen Herren in der Gegend waren verschuldet, oder ihr Vermögen war durch das Basler Konzil (1431 - 1437) aufgezehrt worden. Der Wiederaufbau des Klosters wurde zum Flickwerk, die Qualität der Bauten war mangelhaft.

Der unvermeidbare Niedergang und die Reformation

Um die Mitte des 15. Jahrhunderts war es in Olsberg mit dem klösterlichen Leben nicht zum Besten bestellt. Der Generalabt von Citeaux beauftragte 1452 den Abt von Lützel, das heutige Lucelle im Kanton Jura auf der Grenze zu Frankreich, das Kloster Olsberg zu visitieren und zu reformieren. Ein Jahr später beschlossen die Äbte im Generalkapitel die Versetzung der Olsberger Konventfrauen und die Einsetzung eines Abtes mit sechs Zisterziensermönchen. Die Amtsführung des Abtes vermochte aber nicht zu befriedigen, und die Geschäfte wurden auf Betreiben des Papstes wieder in weibliche Hände gelegt. Erzherzog Albrecht VI. von Habsburg Oesterreich - Olsberg lag in Vorderösterreich - strebte die Säkularisation des Klosters an und wollte die Besitzungen dem Chorherrenstift in Rheinfelden übertragen. Der Abt von Lützel wehrte sich aber mit Erfolg gegen dieses Vorhaben und erreichte den Fortbestand des Olsberger Konvents.

Bauernaufstand und Reformation

Die Untergebenen des Klosters wurden immer unzufriedener. Die Zinspflichtigen in den baslerischen Gebieten waren nicht mehr bereit, die fremde Klosterherrschaft anzuerkennen. Am 2. Mai 1525 entschlossen sich die Bauern zum Sturm auf das Kloster und zogen von ihren Höfen nach Olsberg. Die Nonnen waren bereits auf der Flucht, als die Bauern eintrafen. Die Vorräte des Hauses und der Wein wurden als herrenloses Gut betrachtet und aufgezehrt. Danach durchsuchte die aufgebrachte Menge das Haus nach Dokumenten, konnte jedoch nichts finden. In blinder Wut verwüstete sie das Kloster.

Mit dem Verkauf der Güter im Herrschaftsbereich Basel wollte die Äbtissin vermutlich weiteren Übergriffen der eidgenössischen Bauern entgegentreten. Erzherzog Ferdinand von Österreich glaubte, die Schwestern wollten das Kloster schrittweise liquidieren. Er intervenierte und erreichte 1530 die Annullierung des Verkaufsvertrages.

Zu Beginn der Reformation wies der Olsberger Konvent einen beträchtlichen Schwesternbestand auf. Über die Auswirkungen der Reformationsbewegung in Olsberg sind wir nur spärlich unterrichtet. Jedenfalls liess die österreichische Regierung die Ordensfrauen, die austreten wollten, gewähren. 1535 zog die damalige Äbtissin nach Basel und heiratete. Um diese Zeit verliessen die meisten Mitschwestern Kloster und Orden.

Interregnum

Von 1535 an blieb Olsberg während 23 Jahren ohne Äbtissin. Die verbliebenen Nonnen übersiedelten in andere Klöster. Der Abt von Lützel versuchte mit allen Mitteln, den Konvent zu erhalten und neu zu beleben. Er bestellte einen Schaffner, der die leerstehenden Gebäulichkeiten zu erhalten und das Klostervermögen unter Aufsicht der österreichischen Behörden zu verwalten hatte.

Mut zum Neubeginn

In Katharina von Hersberg aus Überlingen konnte schliesslich eine neue Äbtissin für Olsberg gefunden werden. Von nun an hatte jede Äbtissin bei ihrem Amtsantritt einen Revers zu unterzeichnen, der ihre Unterstellung unter den Staat zum Ausdruck brachte.

Voller Tatkraft ging Katharina daran, das Kloster zu neuer Blüte zu bringen. In einzelnen Bereichen gelang ihr dies, bei andern Vorhaben musste sie aus finanziellen Erwägungen die Ziele zurückstecken. Darunter litt vor allem die bauliche Sanierung. Einzig der Bau des Kreuzgangs konnte 1572 abgeschlossen werden. In ihrer späteren Amtszeit leistete Katharina jedoch nicht das, was man von ihr erwartet hatte. Die zunehmende Kritik an ihrer Person und ihrer Tätigkeit führte schliesslich zur Amtsenthebung.

Die Nachfolgerin, die Tirolerin Ursula Schmotzer von Ritzol, übernahm 1588 ein schwieriges Erbe. In den ersten vier Jahrzehnten ihrer Amtszeit erreichte sie die wirtschaftliche Wiederherstellung des Klosterbesitzes.

Überfall und Plünderung durch die Schweden

Es war Ursula nicht vergönnt, ihr Werk zu Ende zu führen. Der Kriegsschauplatz des dreissigjährigen Krieges verlagerte sich südwärts. Die Nonnen brachten nach und nach die beweglichen Güter des Klosters nach Rheinfelden. Schliesslich flohen sie und lebten drei Jahre im Exil in Wettingen und Balsthal.

Am 17. September 1632 zogen 70 schwedische Soldaten nach Olsberg. Sie durchsuchten die Klostergebäude und führten alles bewegliche Gut nach Basel. 1634 zerstörten die Schweden den Olsbergerhof in Rheinfelden und suchten das Kloster erneut heim. Von den Gebäuden wurde alles Holzwerk, Türen und Fenster, selbst die Ziegel von den Dächern fortgeführt. Den gesamten Vorrat an Wein und Getreide verkauften die Truppen zu Schleuderpreisen.

Wiederaufbau und letzte Blütezeit

Erst unter der Äbtissin Franziska von Eptingen (1670-1707) begann sich das Kloster zu erholen und gelangte zu neuer Blüte. Franziska liess als erstes den Hochaltar erbauen, der noch heute den Kirchenraum beherrscht und in der Bekrönung ihr Wappen trägt. Um 1680 nahm sie den gänzlichen Umbau des Süd- und Ostflügels der Klosteranlage in Angriff. Sie liess im Forst Möhlinbach Holz schlagen, nach Augst flössen und durch Fronarbeit zum Kloster schaffen. Von ihrer Liebe zum Detail zeugen die Arbeiten im Speisesaal mit der geschnitzten Ahnenprobe, und die Holzdecke im angrenzenden nördlichen Raum.

Dank guten Beziehungen zum Vatikan erreichte Franziska 1688 die Überführung der Gebeine des Katakombenheiligen Victor, der zum Kirchenpatron von Olsberg erhoben wurde.

Mit ehrgeizigen Bauvorhaben stand Bernarda von Freiburg als Nachfolgerin Franziskas dem Konvent vor. Sie liess zwischen 1710 und 1715 den Dachreiter und das hinterste Gebäudeviertel der Kirche abreissen. Die verkürzte Kirche erhielt einen Glockenturm und eine neu gestaltete Empore. Der Westtrakt des Konventgebäudes wurde abgerissen und neu erstellt. Mit dem Neubau gewann der Westflügel weitere Zimmer, büsste aber die Funktion als Fruchtspeicher ein.

Johanna von Roll gab dem Kloster zwischen 1732 und 1757 ein letztes Mal ein neues Erscheinungsbild. Mit einem finanziellen Grossaufwand setzte sie in der Kirche abschliessende Akzente.

Der fast verzweifelt geführte Versuch, das Kloster nach aussenhin in strahlendem Glanz zu zeigen, vermochte nicht darüber hinwegzutäuschen, dass es in Wahrheit sehr schlecht um ein Weiterbestehen stand. Die Neuregelung der Paternität über Olsberg war primär ein politischer Entscheid. Seit 1648 lag Lützel im Herrschaftsbereich von Frankreich. Die dauernden militärischen Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und Österreich erschwerten die geistlichen Beziehungen zwischen Vaterabt und Kloster Olsberg. Zudem nahmen die Lützeler Beichtvater einen ungünstigen Einfluss auf die Entwicklung. Die Klostergemeinschaft zerstritt sich immer mehr. Überraschend verzichtete der Abt von Lützel auf sein Paternitätsrecht zugunsten des Abtes von Salem. Dies löste jedoch den Unwillen der Äbtissin und der Konventfrauen aus. Ihr Widerstand führte schliesslich zum Erfolg, und Olsberg wurde dem Abt von Tennenbach (im Breisgau, zirka 4 km nordöstlich von Emmendingen am Fusse des Schwarzwaldes) unterstellt.