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Das Thema einer in Stein ein-gedrückten Hand taucht in der Sagenwelt immer wieder auf.

Tatsache ist, dass in der zweiten Hälfte des 15. Jahr-hunderts die Missstände in den Klöstern massiv zunahmen, was den Zorn der Bevölkerung allmählich wachsen liess. Der Grund liegt in der Tatsache, dass zufolge eines Frauen-überschusses in den Adels-häusern sehr viele Töchter unfreiwillig in die Klöster ein-gewiesen wurden - für die Klöster ein einträgliches Geschäft, wurden doch bedeu-tende Abfindungen bezahlt!

Fünf Finger im Klosterportal zu Olsberg

Graf Chadeloch, der Gründer des Klosters, hatte seine Stiftung reichlich begabt, und seine frommen Nachkommen vergrösserten noch seine Schenkungen. Man sagt, des Stiftes Besitztümer hätten einst bis nach Strassburg hinab gereicht. Damit wuchs mit der Zeit auch der weltliche Sinn in seinem Innern. Im Kloster gab es bald lauter Spiel und Vakanztage. Der Basler Bischof beschloss schliesslich, solchem Treiben Einhalt zutun und schickte einen Abgesandten ins Stift, der es zu den Regeln der strikten Klausur zurückführen sollte. Allein man hatte das Gehorchen verlernt, man wollte nichts mehr vom Bischof mit allen seinen Gesandten wissen. Der ganze Konvent stellte sich daher im Chore der Kirche auf und eröffnete dem unwillkommenen Boten, dass man einmütig den Beschluss gefasst habe, jeden ferneren Überbringer solch unliebsamer Aufträge an dieser Stelle totbeissen und -kratzen zu wollen. Der fromme Mann bekreuzte sich und ging. Aber beim Austritt aus dem entheiligten Gotteshaus drückte er seine Hand tief in den linken Torstein, als wäre er weiches Wachs, und rief zu den Nonnen zurückgewendet mit prophetischem Schmerze:

«Nie ist Olsberg ohne Brot,

Aber niemals ohne Not!»

Die Spur dieser mit ihren fünf Fingern ins Tor gedrückten Priesterhand war noch bis zu den Zeiten zu sehen, da die Schwaben ins Land fielen und da die Bauern im Bauernkrieg die Schlösser und Klöster wegbrannten.